TL;DR » Nico Brünjes ist Teamleiter Webentwicklung bei ZEIT ONLINE in Hamburg und erdenkt, baut und programmiert seit über 10 Jahren moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

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Wie oft hat man Sie schon gefragt, was Sie machen? Also, was Sie beruflich machen. Wird man eigentlich andauernd gefragt, auf dem Amt, auf Familienfesten, beim Klassentreffen. Man legt sich dafür ja im Allgemeinen so eine Art festen Text fest, eine der Situation angepasste kurze Beschreibung des Berufsbildes, manchmal, wenn es passt, sagt man die Firma dazu, für die man arbeitet. Je nach Berufsbild kann man sich ganz kurz fassen, bspw. reicht „ich bin Polizist”, oder „ich bin Straßenbahnfahrer” oft aus und die Menschen wissen, was man macht. Es ist in den letzten Jahren besser geworden, aber wenn ich Verwandten auf einem Familienfest erzähle ich bin Webentwickler können die damit zumeist wenig anfangen. Jaja, wieder jemand, der irgendwas in diesem Internet macht, von dem immer alle reden. Ich sage dann oft dazu, dass ich für DIE ZEIT arbeite, was dann aber ein ganz klein wenig gelogen ist.

Immerhin arbeite ich im Pressehaus in Hamburg. Dem berühmten Pressehaus, wo seinerzeit DER SPIEGEL und DIE ZEIT zusammen logierten, also seinerzeit, an die sich meine Verwandten noch gut erinnern können, als Franz Josef Strauss die Redaktionsbüros besetzen ließ. Ich arbeite allerdings für ZEIT ONLINE. Und wenn es das Publikum hergibt, bspw. auf Konferenzen, dann erzählich ich auch, dass ich dort Teamleiter des Frontendteams bin. Aber auf Konferenzen passiert es mir auch oft, dass mich die Leute schon kennen, bspw. von meinem früheren Blog oder meinem Twitterchannel. Aber da bin ich eigentlich gar nicht mehr so oft, sondern mehr bei app.net.

Ich bin also Teamleiter. Das ist natürlich auch ein sehr generischer Ausdruck. In Wahrheit bin ich natürlich Webentwickler. Und ich leite ein Team aus Webentwicklerinnen und Webentwicklern. Und ein paar Leuten, die vielleicht Webentwickler werden wollen. Was uns da so zusammengebracht hat ist, dass wir uns auf die Entwicklung von Frontendtechologien spezialisiert haben. Kommt jemand ins Büro, der bspw. bei einer Besichtigung herumgeführt wird, sagen wir immer: wir machen alles, was man auf der Webseite sehen kann. Was es genauso trifft, wie es daneben liegt.

Manchmal fragt man mich auch, wie ich dazu gekommen bin. Immerhin stamme ich aus einer Generation, die durchaus noch ein Leben ohne Internet kennt, sogar eins mit nur drei Fernsehkanälen um genau zu sein. Trotzdem bin ich schon Anfang der 80er auf Computer gestossen, Apple II hatten wir seinerzeit in der Schule. Später dann leider PCs. Jedenfalls haben mich diese Maschinen von Anfang an fasziniert. Auch wenn der Informatikunterricht seinerzeit nicht für mich gestrickt war, der Lehrer wusste regelmäßig weniger als die versammelte Nerdheit der Schule. Ich konzentrierte mich zu dieser Zeit mehr auf andere Dinge. Politk beispielsweise. Und Kunst. Design. Das spülte mich wieder zurück in die Arme der Computer, mit denen ich dann Desktop Publishing betrieb. Und dann kaufte ich mir irgendwann mein erstes Modem. Mailboxen waren eine super Sache. Aber dann kam auch schon das Internet und Bamm!

OK, ab hier wird’s ein wenig lang. Muss ich die Sache mit dem Jurastudium erwähnen. Nein? Gut. Mag ich mich eh‘ nicht dran erinnern. Fast traumatisch. Jedenfalls habe ich dann eine Ausbildung drangehängt, zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Wo ich wirklich viel über Windows 2000 Installationen, Visual Basic for Apllications und, ach herrjeh ISDN gelernt habe. Verschwendete Zeit möchte man meinen. Aber immerhin habe ich dort auch richtig programmieren gelernt und nebenbei angefangen zu bloggen. Mein Praktikum habe ich in Hamburg bei blogg.de gemacht. Dort habe ich danach dann auch gleich angefangen, also bei der Mutterfirma orangemedia.de. Die heissen aber inzwischen Ströer Digital Media. Dort habe ich als Entwickler und Designer an Projekten wie blogg.de, pkw.de und weg.de. Und dann ging ich zu ZEIT ONLINE, wo ich heute noch bin.

Das sagt alles natürlich noch gar nichts über meine Arbeit aus. Also, wenn Sie noch dabei sind, kann ich dazu auch etwas erzählen. Angefangen relevante Webdinge zu tun habe ich in den Tagen des frühen PHP und der Layouttabellen. Was ich mir beides schnell abgewöhnt habe. Seitdem ich professionell am Web arbeite, kommen mir eigentlich nur noch HTML, CSS und Javascript ins Haus. PHP habe ich beinahe ganz in die Freizeit verlegt. Mehr Wert lege ich auf standardkonformes HTML (und dem Wissen, dass es nie ganz klappen wird) und das meine Webseiten zugänglich sind. In den Jahren hat sich das natürlich alles sehr gewandelt und geschärft. Als ich bei ZEIT ONLINE anfing, musste ich erstmal die Layouttabellen abschaffen, heute arbeiten wir mit HTML5, CSS3, schreiben Skripte in Javascript und jQuery, nutzen SASS und compass, grunt.js und spielen mit node.js. Im ZEIT ONLINEversum gehören dann immer noch XML und XSLT zum Handwerkszeug. Wenn ich auch lieber mit JSON hantiere. Mein Projektmanagement soll agil sein, da bin ich zumindest auf dem Weg dorthin. Und Spaß, ja Spaß habe ich auch immer noch, wenn ich Code schreibe oder mit den Kollegen darüber diskutiere.

Das war die lange Version. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.