Frontendtechnisch betrachtet befinden wir uns in einer Zeit des Umbruchs. Das ist natürlich permanent der Fall, aber diesmal kommt es wirklich dicke. Das ist jetzt nicht Web 2.1 und es kommt auch kein neues AJAX. Diesmal kommt heftig und es knallt überall gleichzeitig.
Da ist zunächst mal die technische Änderung. HTML5, noch gestern der Versuch einen neuen Webstandard für eben HTML-Seiten zu entwickeln, ist heute gewachsen zum Schlagwort für alles neue, schicke, dynamische auf Webseiten, ohne Ansicht der technischen Mittel, mit denen sie erstellt wurden. Damit beerbt HTML5 das Buzzword AJAX. Herzlichen Glückwunsch. Gemacht werden solche—kurzer Blick in Richtung Decke—HTML5-Apps dann im günstigsten Fall mit HTML(5), CSS3 und dem guten alten Javascript. Trotzdem wird in Fahrwasser der Buzzerei der neue Webstandard unter Hochdruck in die Browser implementiert und er bringt so viele Sachen, die wir uns schon lange gewünscht haben!
CSS3 ist der zweite Umbruch, der sich jüngst durch die Tür drängt. Angestachelt vom Einschlag des neuen HTMLs, vorangetrieben durch die Webkitgemeinde und nicht zuletzt durch Microsoft, die mit ihren Platform Previews des IE 9 ein klares Commitment in Sachen CSS3 aussenden, kann man die (ja schon nicht mehr so) neuen Selektoren und Funktionen immer öfter einsetzen ohne rot zu werden. Leider wird man den Code in Zukunft wegen der Vendorprefixes (-webkit, -moz etc.) noch etliche Male anfassen müssen, aber theoretisch ist man hier auf der Straße der Zukunft.
Javascript ist eigentlich das gute alte Javascript geblieben. Bei den ganzen Neuerungen in anderen Bereichen scheint man hier nur schwerlich voranzukommen. Andererseits, zusammen mit den neuen Funktionen von HTML5, also dem Standard, nicht dem Buzzword, kommen auch auf die Javascriptler heisse Zeiten zu. Da gibt es mit einem Male browserinternen Datenspeicher, und—jetzt dreht man völlig durch—browserinterne Datenbanken, so richtig mit SQL! Was man damit vor allem machen kann, ist neue Sicherheitslücken aufreissen, gross wie Scheunentore, das wird eine tolle Sache. Ja, Security ist sowieso ein ganz wichtiges Thema in diesen Zeiten der Neuigkeiten. Zum Beispiel: neue Tags ≅ neue Angriffsvektoren. Aber es gibt eine Menge mehr zu beachten bei den neuen Möglichkeiten.
Aber nicht nur neue Techniken geben uns zur Zeit einen Riesenschub. Auch neue Geräte oder mindestens der Hype darum, bringen Vortrieb. Neue Eingebegeräte (äh Finger?) sind auf dem Vormarsch und auf lange Sicht werden auch Webseiten auf Berührung und Gesten reagieren müssen. Dafür muss natürlich wieder neues CSS und JS gewchrieben werden, nicht nur für Apples iPad, sondern auch für die Hypenachfolger.
Und bei all diesen neuen Dingen, die da gerade auf uns Digitalkreativen und Netzhandwerker einstürzen, wollen wir ja auch nicht die Errungenschaften der letzten Jahre wieder verlieren, also auch weiterhin etwas für Accessibility und Usability tun. Und das ist ein hartes Brot in Zeiten des Umbruchs, aber auch total spannend und wunderbar anspruchsvoll. Viel Spaß dabei.